Mittwoch 23. Dezember 2009 von admin
Endlich im Bardia Nationalpark angekommen. Nächste Woche beginnen die Delfinsichtungsaktionen.
Der folgende Bericht ist recht knapp verfasst und ohne Bildmaterial. Seit 2 Tagen gibt es hier im Dorf keinen Strom und wenn, nur für wenige Minuten. Der folgende Bericht wartet also auf der Festplatte, bis es endlich mal für eine halbe Stunde Strom gibt und damit auch mit Glück eine Internetverbindung hergestellt werden kann. Da diese hier gähnend langsam ist, wenn sie mal zu stande kommt, werden die Bilder dann später in Pokhara hochgeladen. Auf jeden Fall funktioniert hier im Moment gerade weder Strom noch jegliche Telefonverbindung. Aber das ist hier kein größeres Dilemma, eher Alltag mit dem man sich gelernt hat zu arrangieren.
Montags Abend mit etwas Verspätung in Kathmandu gelandet und die übliche Warteprozedur beim Einreise und Visumschalter absolviert. Dann glücklicherweise alle Gepäckstücke angekommen. Am Flughafen dann die üblichen Taxi- und Hotelkeiler abgewimmelt und wie durch wundersame Fügung genau den richtigen Helfer gefunden. Raaj brachte uns mit seinem Taxifahrer in eine bescheidene aber saubere und recht billige Unterkunft und holte uns dann am nächsten Morgen ab: Aircargo Marathon um die Bootsausrüstung auszulösen. Ohne Raaj seine Hilfe, hätte dieser bestimmt weit mehr als die vier Stunden gedauert. Erst zum Aircargogebäude, dort dann zum Flughafen geschickt ein Dokument abzuholen, dass wir berechtig sind, am Aircargogebäude Gepäck auszulösen. Für dieses Formular waren dann 3 Bestätigungen erforderlich?!? Dann sollten wir zum Büro von Etihad, um dort ein Formular zu holen. Das Etihadbüro war aber geschlossen! Seltsamerweise wurden die Etihaddokumente im Lufthansabüro ausgestellt. Seltsam deswegen, weil Lufthansa Nepal ja gar nicht mehr anfliegt. Mit diesem Formular hatten wir dann noch einige andere auszufüllen und abzustempeln und natürlich für fast jedes eine Gebühr zu entrichten. Um es abzukürzen: Nach vier Stunden durften wir das Bootsgepäck vom Zoll inspizieren lassen und endlich auslösen.
Der Rest vom Tag wurden noch dringende Besorgungen erledigt und die Fahrt in den Nationalpark arrangiert. Da wir ja mit guten 90 Kilo Gepäck unterwegs waren, suchten wir einen privaten Fahrer, der uns dann am Mittwoch um 05.30 bei der Unterkunft abholt. Ünktlich auf die Minute war er dann vor Ort und die erste Reaktion: Nein, das Gepäck passt nicht in mein Auto – Ich kann Euch nicht fahren. „Lass mich mal probieren zu packen und wenn ich’s reinbekomme, fahren wir! OK?“. Unser Nepali staunte dann nicht schlecht, mit welchem System ich sein Auto belud. Zur Sicherheit vergewisserte ich mich noch, dass er den Weg in den Bardianationalpark kannte, denn ich wunderte mich ein wenig, dass er mit seiner Strassenlimo uns dorthin fahren wollte. Bei der Reservierung dachte ich eigentlich, dass wir dür den vereinbarten Preis eine nepaltypische Klapperkiste mit Zufallsgeneratorbremsen bekommen würden. Bereits um sechs Uhr Morgens massiver Stau auf der Strasse über den Pass aus Kathmandu raus. Über den Pass alleine brauchten wir vier Stunden länger als normal.
Nach 18 Stunden und einer Reifenpanne waren wir dann an der Zugangsstrasse zum Nationalpark und hier kamen mir dann doch Zweifel, ob unser Fahrer schon mal im Nationalpark war. Denn der Zugangsweg ist zuerst eine holprige Schotterpiste die dann in einer Furt im Fluss – bei dem zu dieser Jahreszeit aber das Wasser an der richtigen Stelle grad mal knöcheltief ist. Ich gab unserem Fahrer noch den Tip, er solle den Polizisten am Checkpoint nach der richtigen Piste fragen, weil ich ja schon seit einigen Monaten nicht mehr hier war und in stockdunkler Nacht ich nicht sicher bin, ob ich die richtige Spur erwische. Verwunderung in seinem Gesicht, aber er fragte dann doch nach. Und dann fragte er mich immer wieder „way ok?“. Dann flackerte kurz Panik in seinem Gesicht auf, als der Schotterweg plötzlich sich in ein Spurengewirr oberhalb des Flussbetts verzweigte.
Keinen Meter fahre er mehr weiter! Hätte er nicht dringend Schlaf gebraucht und wären es nicht ein so langer Weg nach Kathmandu gewesen, wäre er zu 100% umgedreht. Ich machte ihm den Vorschlag, dass ich sein Auto durch die Furt fahren kann. Aber verständlicherweise war er um sein gutes Auto besorgt. Ich wies ihn dann an, einfach zu warten und dass ich zu Fuß die richtige Spur über den Fluss suchen würde. Diese war auch gleich gefunden und nur zweimal wäre es durch seichtes Wasser gegangen. Die Zweifel von unserem Fahrer waren dann aber doch zu groß und er wollte zurück zum Polizeichekcpoint, fix der Überzeugung, es müsse doch eine richtige Strasse in den Nationalpark geben. Mittlerweile konnten wir auch Hukum im Junglebasecamp erreichen, der sich mit seinem Motorrad auf den Weg machte uns entgegenzukommen und ab der Furt zu lotsen.
Der Polizist am Chekcpoint grinste ein wenig, als wir wieder bei ihm auftauchten. Als er unserem Fahrer klar machte, dass dies wirklich der einzige Weg war, war der Frust in seinem Gesicht trotz Dunkelheit nicht zu übersehen. Ich wollte ihm etwas Mut machen und meinte zu ihm „Schau mal, die Strassen in Kathmandu sind mit den ganzen Schlaglöchern doch viel holpriger als diese Schotterpiste und vor dem bißchen Wasser brauchst dich nicht zu fürchten. Im Monsun stehen die Strassen in Kathmandu viel tiefer unter Wasser, als diese paar Zentimeter hier in der Furt!“
Wieder zurück am Fluss marschierte ich vor seinem Auto mit der Stirnlampe durchs Wasser und deutete auf meine Schuhe, die grad mal bis zu den Knöcheln mit Wasser bedeckt waren. Er murmelte irgendetwas zu Rike, das sie aber nicht verstand und dann Erlösung: Wir waren wirder auf der Schotterstrasse auf der anderen Seite vom Fluss. Noch 12-14 Km bis ins Camp und bereits nach ein paar Kilomtern kam uns Hukum mit seiner Frau Laxmi auf dem Motorrad entgegen.
Freudige Ankunft im Camp und gleich Geburtstagsglückwünsche für Rike und dann Tiefschlaf. Seit Sonntag waren wir auf dem Weg und jetzt endlich angekommen.
Wir bedankten uns bei unserem Fahrer. Nicht nur, weil er pünktlich war, sondern auch, weil er sehr umsichtig und verantwortungsvoll gefahren ist. Dass er an der Furt etwas erschrocken ist, ist verständlich. Normalerweise fährt er ja in der Stadt und deren Umgebung und rechnete nicht mit einer minioffroadfahrt zum Finale. Dass er uns nicht sagen wollte, dass er zuvor noch nie im Bardianationalpark war, ist auch zu verstehen, denn er rechnete wohl damit, dass wir dann einen anderen Fahrer gebucht hätten. Bereits um 7 Uhr in der Früh machte er sich auf den Weg zurück nach Kathmandu. Mit Glück hat er vielleicht noch Passagiere auf diesem Weg zurück gefunden und konnte damit noch etwas zusätzlich verdienen.
Die folgenden beiden Tage wurden erstmal genutzt um etwas zu regenierieren, Hukum den Aufbau der Bootsausrüstung zu zeigen, mit ihm die Erfahrungen der letzten Monate zu teilen und die Fahrten zum Karnali zu besprechen.
Heute werden wir noch daran arbeiten, wie er das Programm in Nationalpark noch besser promoten kann und ihm Unterricht in der Computerbenutzung zu geben. Gestern war auch noch Reperaturtag an seinem Motorrad angesagt. Wenn es heute seinen Dienst nicht versagt, wird es morgen oder spätestens Übermorgen an den Karnali gehen. Hukum freut sich riesig üer die Bootsausrücstung und die mitgebrachte Fotoausrüstung, damit er auch die Gelegenheit hat, seine Sichtungen sowohl von den Delfinen wie auch den Tigern in Zukunft auf Bildern festzuhalten. Auch er ist fest davon überzeugt, dass einzig und alleine ein sanftes Dolphinwathing den Tieren ein Überleben sichern kann.
Wichtig noch, dass wir heute oder morgen Strom bekommen, damit die Akkus der Kameras geladen werden können. Falls nicht, gibt es genügend andere Arbeiten noch zu erledigen. Jetzt reicht der Akku des Laptops nur noch einige Minuten, als speichern und auf Strom warten.
Beim nächsten Bericht kann ich dann hoffentlich schon von den ersten Delfinsichtungen berichten.
Add-on vom Sonntag:
Ab heute sind wir von der Aussenwelt auch transporttechnisch abgeschnitten. Es herrscht wieder Streik in Nepal. Zumindestens hier in Westnepal. Vom Osten haben wir keine Nachrichten. Streik in Nepal hat eine etwas andere Bedeutung als zu Hause in Europe. Hier würde eher das Wort „Strassenblockade“ zutreffen. Kein motorisiertes Fahrzeug darf die Strassen passieren. Wer es dennoch wagt, riskiert mitunter sein Leben. Vom Timing her hatten wir also Glück. Wir haben Bardia erreicht und unsere Fahrer ist auch wieder sicher zurück in Kathmandu. (Neueste Nachricht dazu: Ausnahmen seien lediglich Rettungsfahrzeuge und von Touristen besetzte Fahrzeuge – was unse wieder nicht viel nützt, weil wir mit den Nepali zusammmen arbeiten. Aber mehr als gerüchtewert haben die Nachrichten die wir hier bekommen nicht. Soeben hies es gerade, es sei in einigen Städten zu Ausschreitungen gekommen und nicht einmal Fahrräder seien auf den Verbindungsstrassen geduldet?!? – In ein paar Tagen werden wir dazu auf jeden Fall mehr wissen).
Strom ist wieder Stundenweise vorhanden, aber noch immer keine Telefonverbindung. Daher ist das update noch in der Warteschleife.
Mit Hukum wurde noch intensive Schulung betrieben und es folgen noch etliche Einheiten davon. Es macht auch Freude zu sehen, dass Hukum sehr dankbar um jede Hilfe ist. Und seine Arbeit hat dem Nationalpark in den letzten Jahren mit Garantie mehr gutes angetan, als die Arbeit des nicht gerade vorbildlichen Nationalparkmanagements. Morgen bei Anbruch des Tages geht es runter zum Fluss. Einzig der Rücktransport ins Jungle Base Camp bereitet noch Kopfzerbrechen. Wir schrauben an Hukums Motorrad, aber es hat seine Macken. Die Bootscrew vom Jeep abholen zu lassen, kommt zu teuer. Aber bis morgen wird das Problem gelöst sein. Maybe