Dienstag 14. Dezember 2010 von admin
Bericht Karnali Riverdolphin Expedition IV – November 2010
Seit beinahe einem Jahr versieht ein Raftboot,aus dem Bregenzerwald seinen Dienst in Nepal. Bernhard Bechter hat im Rahmen seiner dritten Flussdelfinexpedition am Karnali Fluss im Westen Nepals, eine komplette Bootsausrüstung von High5 nach Nepal gebracht und den dortigen Dschungelguides gespendet um zu helfen, dass die letzten Delfine Nepals eine kleine Überlebenschance mehr haben.
Im November 2010 war Bechter erneut in Nepal um die Karnali Riverdolphin Expedition IV durchzuführen, die Ergebnisse sind jedoch erschreckend und alarmierend. Aufgrund des Wasserstands hatten die Delfine keine Chance, sich im Nepalesischen Teil des Flusses aufzuhalten. Sie haben nur noch eine geringe Überlebenschance in einem Bereich von etwa 20 Kilometer im obersten Indischen Teil des Flusses, bevor ein Damm das ganze Ökosystem trennt.
Delfine in Nepal?
Auch wenn diese Information immer wieder für Verwunderung sorgt. Selbst Regierungsdelegationen hielten diese Information bei der Internationalen Walfangkonferenz, welche dieses Jahr in Marokko stattfand, für einen Scherz. In Nepal gibt es tatsächlich noch einige wenige überlebende Flussdelfine. Deren Schutz hängt jedoch an einem sehr seidenen Faden. Die Nationalparkverwaltung und das für den Nationalpark verantwortliche Militär scheint den Schutz sehr fragwürdig umzusetzen. Von der Regierung sind in dieser Richtung vorerst keine Schritte zu erwarten, denn nach Jahren des Krieges und der Unruhen, hat diese zur Zeit andere Sorgen. Die einzige Hoffnung ist die Unterstützung der sehr armen lokalen Bevölkerung.
2 Wochen auf Fluss und Dschungelpatrouille
Nach einer 17 stündigen und holprigen Anreise im Bus von Kathmandu ind den Bardia Nationalpark, ging es nach einer freudigen Begrüßung vom GLOBALANCE Stammguide Hukum Shahi und seiner Familie sogleich an die Vorbereitungen der Fluss und Dschungelpatrouillen.
Zunächst war Bechter anonym unterwegs um sich ein Bild davon zu machen, inwieweit Wilderer und Fischwilderer sich ungehindert in den Nationalpark bewegen können. Dazu muss festgehalten werden, es hat sich einiges in den letzten Jahren zum guten gewendet, aber es ist noch immer ein leichtes, sich ungesehen für Wilderei in den Nationalpark zu begeben. Für diesen Zweck ist das 2-Mann Raft das ideale Fahrzeug, denn es kommt an Stellen im Nationalpark, welches den Militärs zu Fuss oder auf Elefanten nicht zugänglich ist und auch der Nationalparkverwaltung. Denn wenn diese sich – in sehr seltenen Fällen auf den Fluss begibt – verwenden sie ein großes Raftingboot, welches nur auf den Flussarmen mit entsprechendem Wasserstand einsetzbar ist..
Das größte Problem bei der Befischung ist hier vor allem, dass es keine Schonzeiten gibt und dass die ansässige Bevölkerung versucht, selbst die kleinsten Fische zu erwischen, sprich die Bestände können gar nicht wachsen. Dies ist natürlich auch für die Delfine von größter Bedeutung, denn ihnen fehlt dadurch auch ausreichend Nahrung. Versuche den Leuten verständlich zu machen, dass es auch im Interesse ihrer eigenen Erträge ist, nach der Laichzeit eine Schonfrist auch ohne Gesetz einzuhalten, damit aus den kleinen Babyfische große Fische werden können, haben nicht gefruchtet. Eindeutiger Tenor: Mir ist lieber, heute ein paar kleine Fische zu fangen, als erst in ein paar Monaten deutlich mehr große Fische!
Auf sämtlichen Flussbefahrungen konnte Bechter beobachten, wie sich Leute von den Dörfern westlich des Flussufers – welches die Grenze zum Nationalpark bildet – sich in den Nationalpark begeben haben um illegal zu fischen. Teils waren die Seitenarme total mit Fischfallen versperrt. An diese Stellen kommen die Fischer mit ihren Booten und Bechter natürlich mit dem kleinen, flexiblen 2 Mann Raft. Sobald die Fischwilderer Bechter erblickten, ergriffen Sie in der Regel die Flucht. In der Regel rannten sie erst in den Dschungel und dann in einem grossen Bogen zu Ihrem Boot. Zum Teil waren es aber auch nur Kinder und Jugendliche, die sich in der Nähe der Dörfer in den Nationalpark begaben um zu fischen oder Pflanzen für den Verzehr zu sammeln.
Während der ersten Tage konnte kein Militär beobachtet werde, das den Nationalpark kontrolliert. Am Tag nach Bechter’s Gespräch mit der Nationalparkverwaltung und der Ankündigung, wieder auf den Fluss und in den Nationalpark zu gehen, jedoch gleich drei Fuss- und eine Elefantenpatrouillen. Und das zeigte auch Wirkung auf die Bevölkerung am Fluss: Erstmals konnte Bechter keine unbefugten Leute im Nationalpark am Karnali ausmachen. Es ist daher zu wünschen, dass die Patrouillen vom Militär intensiviert werden, wobei sich deren Arbeit im letzten Jahr deutlich verbessert hat.
Erschreckend wenig Wasser
10 Tage vor Bechter’s Ankunft wurde von einigen Dschungelguides das letzte mal Delfine am Fluss gesichtet. Nahe der Flussgabelung, an der der Karnali direkt der indischen Grenze weiter fließt und ein Flussarm zum Südende des Thakurdwara Village abbiegt. Es konnte jedoch jeden Tag beobachtet werden, wie Tag für Tag der Wasserspiegel zurück ging. Auch keiner der Guides konnte sich erinnern, je so wenig Wasser im Karnali gesehen zu haben. Zwei Faktoren tragen hier maßgeblich dazu bei: Der Karnali führt deutlich weniger Wasser, weil im westlichen Himalaya viel weniger Schnee als üblich gefallen ist und der letzte Monsun veränderte den Flusslauf im Terrai deutlich verändert. Kurz unterhalb der Chisapani Bridge( Kailali-Bardiya) an der sich der Karnali teilt, bekommt der westliche Arm (Kailali) deutlich mehr Wasser und das Wasser im verbleibenden Karnali verteilt sich in zahlreiche kleinere Arme. Die Pools im Fluss sind zwar tief und groß genug, um den Delfinen einen Lebensraum zu bieten, jedoch fehlen durchgehende Verbindungen, die tief genug sind. An vielen Stellen sind deutliche Verlandungen und jeden Kilometer den man sich flussabwärts begibt, ist weniger Wasser.
Aufgrund der Behauptung einiger Nepalesischen Nationalparkguides, die Delfine halten sich in Pools der Seitenarme des Flusses auf, aber es wäre unmöglich mit einem Raftingboot dorthin zu kommen, hat Bechter sämtliche Seitenarme mit dem kleinen 2-Mann Boot befahren und sämtliche Schlüsselstellen auf Bild festgehalten. Diese Bilder rüttelten dann auch die blauäugigsten Guides wach! Nach den Exkursionen durch sämtliche Seitenarme des Karnali war klar, wenn noch Delfine am Karnali in Nepal sind, können sie ausschließlich im Pool an der Indischen Grenze sein. 3 Tage Beobachtungen zeigten keinen Erfolg.
Überlebenschance in Indien?
Nachdem auch die Beobachtungen an der Grenze ohne Erfolg blieben, entschloss sich Bechter auf eigene Gefahr ohne Guide den Fluss bis noch etwa 5 km der Grenze abzusuchen und gleich kurz unterhalb der Grenze war klar, warum kein einziger Delfin in Nepal gesichtet werden konnte: An einer Stelle weitete sich der Fluss soweit aus, dass durch das seichte Wasser für Delfine kein passieren möglich ist. Zudem war deutlich zu erkennen, wie viel Wasser der Fluss auf den zirka oberen 20 Kilometer durch versickern ins Grundwasser und Verdunstung verloren hat.
Der momentane Lebensraum für die Delfine ist also auf etwa 20 Kilometer Flusslauf bis zum Damm beschränkt. Die Hoffnung liegt also darin, dann wenn der Wasserspiegel wieder steigt, die Delfine wieder zurück kommen.
Das Überleben der Delfine im indischen Teil des Karnali ist jedoch noch schwieriger als in Nepal, denn hier wird noch radikaler gefischt, als im nepalesischen Teil. Wenn ein Fischernetz über den gesamten Flusslauf gespannt wird, dann wird auch jeder Delfin, der sich dort verfängt, qualvoll verenden.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer ist auch der nächste kommende Monsun, denn das ist die einzige Zeit des Jahres, an dem Delfine von unterhalb des Dammes in den Oberlauf schwimmen können.
Es wird auch vermutet, dass die Geburtsstätte der Delfine sich in einem Flussarm befindet, der nur zur Monsunzeit geflutet ist und sich noch weiter im Westen befindet. Dies zu erkunden wird der nächste Schritt des Projektes sein!
Freudige Gesichter gab es aber nach Bechter’s Rückkehr über die Fotos der frischen Tigerspuren auch südlich der Grenze. Dem Tigerbestand geht es den Umständen entsprechend recht gut und den Spuren nach, gibt es auch Nachwuchs. Bedauerlich ist nur, dass vor kurzem ein Tiger einem Giftanschlag zum Opfer gefallen ist. Ein Tiger riss einen Wasserbüffel und als sich der Tiger verzog, übergoss der Bauer den Kadaver mit Gif. Als der Tiger seine Beute fressen wollte, verendete er noch an Ort und Stelle!
Das Ergebnis der Karnali Riverdolphin Expedition IV – 2010
Derzeit ist zu wenig Wasser im Karnali, dass sich Delfine dort aufhalten können. Sollten die Delfine bei steigendem Wasserstand zurückkehren, bleiben nach wie vor die Probleme der Überfischung und der Nahrungsknappheit. Auch dass noch immer an einigen Orten mit Gift gefischt wird, ist Gefahr nicht nur für die Tierwelt, sondern auch für die Menschen am Fluss.
Hoffnungsschimmer geben zwei weitere Sichtungen von jeweils 2 Flussdelfinen in anderen Fluss-Systemen in Nepal, an denen die Delfine bereits als ausgestorben galten. Jedoch fehlt für diese Sichtungen ein eindeutiger Beweis.
Wichtige Maßnahmen von Nepal müssen verstärkte Kontrollen im Nationalpark sein und vor allem, dass der Karnali inden Nationalpark eingegliedert wird. Die momentane Situation, dass der Karnali die Grenze bedeutet, aber nicht eindeutig in diesen integriert ist. Ostufer = Nationalpark, Westufer = ungeschützt!
Wenn der Nationalpark schon strikt für jede Befahrung des Flusses eine Nationalparkgebühr kassiert, dann soll sie den Fluss endlich auch unter definitiven Schutz stellen.
Positiv zu vermerken ist, dass die momentane Besetzung des Nationalparkmanagements deutlich positiver arbeite, als noch ein paar Jahre zuvor, als deren offensichtlich einziges Interesse im kassieren der Nationalparkgebühr bestand, nicht jedoch an intensiver Schutzmaßnahmen.
Auch das Militär hat im vergangen Jahr viel bessere Arbeit geleistet, als in den Jahren davor. Leider wurde der diensthabende Kommandant bei Projektende ebenfalls an eine andere Dienststelle befördert und es bleibt zu hoffen, dass der neue Kommandant den neu eingeschlagenen Weg weiter beschreitet und ausweitet, damit die Tiger, Nashörner, wilde Elefanten und alle anderen Tiere ein Überleben für die Zukunft gesichert ist.
Hilfe zur Selbshilfe
Bechter’s Idee zum Schutz der Delfine und zur Unterstützung der Bevölkerung funktioniert sehr einfach und zeigt auch schon erste Erfolge. „Wenn die Bevölkerung erkennt, dass die Delfine lebend Ihnen ein zusätzliches Einkommen ermöglichen, ist es schon in deren eigenem Interesse, den Bestand der letzten Tiere zu erhalten!“, so der Bregenzerwälder.
Bechter’s letzter Aufenthalt wurde dazu verwendet, mit den Nepali ein ganzes Programm auszuarbeiten, bei dem die Guides nicht mehr auf die Anmietung von Geländewagen und Ausrüstung angewiesen sind. Nach intensiver Einschulung auf dem Boot wurden die einzelnen Routen erarbeitet. Krönung ist ein kombinierter ‘Junglewalk’, bei dem mit Glück neben wilden Elefanten, Nashörnern, Krokodilen, einer ganzen Schar verschiedenster Vogelarten auch die Begegnung mit einem Tiger möglich ist. Keine Sorge, der Tourguide beschützt seine Gäste mit einem soliden Bambusstock. Während dieser Wanderung bringt ein weiterer Guide zu Fuss die Bootsausrüstung an einen Seitenarm des Karnali Flusses. Dort angekommen, wartet nach einem Mittagessen die Bootsfahrt auf den Karnali, wo die Delfine mit Glück gesichtet werden können und dann geht es in der Abenddämmerung auf Seitenarmen des Flusses zurück ins Dorf.
Bereits seit 2002 betreut Bechter den Nepalesischen Dschungel Guide Hukum Shahi und seine Familie. Auch dieses Jahr ist sein Gepäck bis auf’s letzte Kilo mit Hilfsgütern bepackt. Neben einem Laptop (Damit die Guides auch via – extrem langsamen – Funkmodem Verbindung mit der Aussenwelt herstellen können) unter anderem auch Ausrüstung und fünf Kilogramm Infounterlagen in Visitenkartengrösse, damit die Nepali auch für ihr Projekt werben können und die Chance haben, diesen Besonderen Lebensraum mit Ihrer bedrohten Tierwelt Menschen aus anderen Teilen der Welt zu zeigen..
Auch wenn zur Zeit keine Delfine am Karnali in Nepal sind, ist die Bootsausrüstung sinnvoll eingesetzt.
Die Zeit von Bechter’s Aufenthalt wurde wieder eine intensive Schulungszeit für die nepalesischen Guides im Thakurdwara Village und die Motivation diesen besonderen Lebensraum zu erhalten wurde deutlich gestärkt.
Sobald die erste zuverlässige Meldung über eine Delfinsichtung erfolgt ist, wird sie auf der Homepage gepostet werden! Es besteht noch ein Hoffnungsschimmer!
Bericht, Dezember 2010
www.globalance.info
www.whalewatchingfuture.info
Bernhard Bechter auf Facebook:
www.facebook.com/whalewatchingfuture